Vor 185 Jahren verliessen die Mönche das Kloster Muri. Nächstes Jahr feiern sie das 1000-jährige Bestehen ihres Klosters. Pünktlich zur Feier wird das vierbändige Werk zur Klostergeschichte vorliegen. Die Arbeit daran läuft auf Hochtouren.
«Ziel ist es, die Klostergeschichte in ihrer ganzen Dimension darzustellen», sagte der damalige Abt von Muri, Benno Malfèr, anlässlich der Vernissage der ersten Publikationen aus dem Projekt Geschichte Kloster Muri im Jahr 2015. Diese Idee, deren Umsetzung in einem Jahr mit vier Bänden vorliegen wird, stammte von ihm. Sie stiess Mitte der Nuller-Jahre in Muri auf offene Ohren von tatkräftigen Menschen wie dem damals frisch pensionierten Bezirksschullehrer Peter Hägler und dem im kulturellen Vereinswesen aktiven Martin Allemann. Ihnen und weiteren Engagierten war es zu verdanken, dass vor bald 15 Jahren, am 29. Juni 2011, die Stiftung Geschichte Kloster Muri gegründet werden konnte.
Geschichte in vier Bänden
Abt Bennos Vision war klar: 2027, zum Tausendjahr-Jubiläum des Klosters Muri, sollte das neue Geschichtswerk vorliegen. Dabei hatte er keine Schrift aus der Feder von Mitbrüdern im Sinn, wie dies im 19. und auch 20. Jahrhundert üblich war. Er wollte, dass sich externe Fachpersonen mit der Vergangenheit des heutigen Klosters Muri-Gries beschäftigen. Forschungslücken sollten sich so möglichst objektiv schliessen lassen. Sensible Themen wie die vor 185 Jahren, am 13. Januar 1841, erfolgte Aufhebung des Klosters durch den Grossratsbeschluss des Aargaus sollten unabhängig von Empfindlichkeiten angepackt werden.
Seit der Gründung der Stiftung arbeiten über 50 Personen an Recherchen, Niederschrift und Redaktion sowie Vermittlung der Neuen Klostergeschichte Muri. In bald einem Jahr wird es so weit sein: Das Werk wird am 12. März 2027 mit einer Vernissage der Öffentichkeit übergeben. Vier Bände Klostergeschichte sollen es werden. Noch ist viel zu tun bis dahin. Projektleiter Thomas Meier erwartet in diesen Tagen die letzten Manuskripte. «Es ist eine Herausforderung für die Redaktion und den Verlag, dass alle Bände pünktlich vorliegen werden.»
Der lange Weg vom Archiv zum Buch
Bis ein Geschichtswerk dieser Grössenordnung veröffentlicht werden kann, braucht es viele Arbeitsschritte. Mit den Recherchen in verschiedenen Archiven – für die Klostergeschichte von Muri-Gries sind dies private und staatliche Archive in der Schweiz, Deutschland, Italien und Österreich – sowie der Niederschrift der Texte durch das Team von Autorinnen und Autoren sind die Arbeiten längst nicht beendet. Eine Fachkommission mit Expertinnen und Experten beurteilt die Artikel auf ihre Wissenschaftlichkeit, Inhalte und Sprache. «Manchmal braucht es mehrere Revisionsrunden, bis der Text zur Publikation zugelassen wird», sagt Projektleiter Meier.
Dann ist das Redaktionsteam mit Meier und Kirchenhistoriker Markus Ries an der Reihe. «Wir sorgen dafür, dass die wissenschaftliche und formale Kohärenz auch bandübergreifend vorhanden ist», sagt Meier. Es gilt, Begriffe zu vereinheitlichen, Übergänge zwischen den einzelnen Artikeln zu bereinigen und darauf achtzugeben, dass es keine störenden Wiederholungen gibt. Nur so wird die Klostergeschichte aus vielen einzelnen Artikeln zu einem gut lesbaren Text. Die Aufgabe ist umfangreich: «Wir rechnen mit 3,5 Millionen Zeichen und etwa 1200 Seiten insgesamt», sagt Meier. Schon im Frühsommer 2026 gehen die Manuskripte in den Verlag. Spätestens Januar 2027 wird gedruckt.
Teil des «Klosterjahrs»
Auch die Kommunikation ist ein wichtiges Anliegen des Projekts. Parallel zur Neuen Klostergeschichte entstanden sechs Monografien sowie zwölf Murensia-Bände. Drei weitere folgen noch in diesem Jahr. Seit drei Jahren werden zudem über den Blog, via Zeitungsartikel und Social Media Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Hinblick auf das Jubiläum soll es weitere Kanäle geben: «Ab Herbst 2026 berichteten wir auch in einem Podcast über neue Erkenntnisse der Klostergeschichte Muri», sagt Geschäftsführer Martin Allemann. Er plant und koordiniert alle Veranstaltungen von Geschichte Kloster Muri mit der Festorganisation vor Ort, dem Verein Gedenkjahr 1000 Jahre Kloster Muri und weiteren Beteiligten.
Denn Muri-Gries ist nicht das einzige Aargauer Kloster, das ein rundes Gründungsjahr begeht. Auch das Zisterzienserkloster Wettingen-Mehrerau feiert sein 800-jähriges Bestehen. Die beiden Klosterjubiläen nimmt der Kanton Aargau zum Anlass, ein «Klosterjahr 2027» zu planen. Ziel ist es, das reiche kirchliche und klösterliche Kulturerbe im Kanton und darüber hinaus sichtbar zu machen. Zusammen mit Partnern aus den touristischen, musealen und kirchlichen Bereichen plant er verschiedene Aktivitäten. Unter anderem kann der Weg der Mönche von der Schweiz ins südtirolische Gries im Rahmen einer geführten Velotour zurückgelegt werden. Der Konvent von Muri war vor über 180 Jahren auf Einladung des österreichischen Kaisers dorthin ausgewandert – wo das Kloster Muri als Kloster Muri-Gries noch heute besteht.
Das Klosterjahr 2027
Veranstaltungen in Muri
- 12. März Vernissage der Neuen Klostergeschichte in Muri im Rahmen der Eröffnungsfeier (12.–14. März 2027) in Muri. Weitere Vernissagen sind in Sarnen (16. März) und Muri-Gries (19. März) geplant.
- Vorlesungsreihe Volkshochschule (Oberes Freiamt) zur Klostergeschichte im ersten Halbjahr 2027
- Sommerfest (13.–15. August 2027)
- Abschlussfest (05.–07. November 2027)
Infokanäle Geschichte Kloster Muri
- Blogbeiträge
- Soziale Medien: «geschichte klostermuri» auf Instagram, Facebook und LinkedIn
- Ab Herbst 2026: Podcasts zur Klostergeschichte
Weitere Daten
- 20. November 2026: Vernissage Neue Klostergeschichte Wettingen
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